Taufe Russlands

28. Juli – Tag der Taufe Russlands

Denkmal für Großfürst Wladimir I. in Kiew, Ukraine

Denkmal für Großfürst Wladimir I. in Kiew, Ukraine

Im Jahr 988 ließ sich Großfürst Wladimir I. der Heilige in Konstantinopel taufen und führte in Russland das Christentum ein. Der 28. Juli gilt offiziell als der Tag, an dem Russland getauft und damit christianisiert wurde.
2010 bekam der Tag der Taufe Russlands den Status eines Gedenktages. (Im Gegensatz zu Nationalfeiertagen sind Gedenktage in Russland nicht arbeitsfrei.)
Die Einführung des orthodoxen Glaubens und das damit verbundene Bündnis mit Konstantinopel war eines der bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte Russlands. Es prägte die Politik, Kunst, Kultur und das soziale Leben in Russland.

Der 1025. Jahrestag der Einführung des orthodoxen Glaubens im Herrschaftsgebiet der damaligen Rus wird im Juli 2013 in Russland, Ukraine und Weißrussland groß gefeiert. Die Feierlichkeiten begannen auf dem Roten Platz in Moskau mit einem Gottesdienst und einem Konzert. Der Höhepunkt der Festivitäten ist ein großer Gottesdienst auf dem Wladimir-Berg in Kiew am Denkmal für den Großfürsten Wladimir.

Laut verschiedenen Umfragen bekennen sich ca. zwei Drittel der Bevölkerung des heutigen Russlands zum orthodoxen Glauben. Die Menschen lassen sich wieder taufen und heiraten in der Kirche. Allerdings gehen nur wenige regelmäßig in die Kirche, lesen die Bibel oder üben die Religion aktiv aus.

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Die Christianisierung der Gebiete des heutigen Russlands begann schon im 9. Jahrhundert. Als erster ließ sich Fürst Askold im Jahr 860 vom byzantinischen Patriarchen taufen. Askold war Herrscher des ostslawischen Reiches mit Zentrum in Kiew, das 882 von dem Nowgoroder Fürsten Oleg erobert wurde. Das Christentum breitete sich im damaligen Kiewer Rus allerdings nur langsam aus. 957 ließ sich die herrschende Fürstin Olga – die Großmutter von Wladimir I. – in Konstantinopel taufen. Olga trug viel zur Verbreitung des orthodoxen Glaubens in Russland bei und wurde später heilig gesprochen.

Gemäß altrussischen Chroniken soll Großfürst Wladimir I. verschiedene Religionen getestet haben, bevor er sich für die Orthodoxie entschied. Islam, Hinduismus und Katholizismus lehnte er aus verschiedenen Gründen ab. Schließlich bekehrte sich Wladimir zum orthodoxen Glauben. Doch diese Entscheidung hatte wohl vor allem politische Gründe. Um seine Machtstellung zu sichern, wollte der russische Fürst die Schwester des byzantinischen Kaisers heiraten und drohte mit einem militärischen Angriff auf Konstantinopel. Der Kaiser stimmte unter der Bedingung zu, dass sich der „barbarische“ Fürst taufen ließe. Wladimir nahm den orthodoxen Glauben an und heiratete die byzantinische Prinzessin Anna. Anderen Quellen zufolge hatte Wladimir zu dem Zeitpunkt bereits die Orthodoxie als Religion für sich und sein Land ausgesucht. Der Bund mit dem kaiserlichen Haus festigte die politische Stellung des damaligen Russlands. Auch wirtschaftlich profitierte Kiewer Rus von dem florierenden Handel mit Byzanz.
Zuerst wurden die Metropoliten (Erzbischöfe) von Konstantinopel eingesetzt. Sie residierten in Kiew und später in der Stadt Wladimir. Überall im Land wurden Kirchen gebaut. Dies führte dazu, dass zahlreiche Maler aus Konstantinopol nach Russland zogen. Es entwickelte sich eine weltweit berühmte Ikonenschule.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Moskau immer mehr zum Machtzentrums Russlands. Im Jahr 1328 zog Metropolit Pjotr von Wladimir nach Moskau. In der Mariä-Entschlafens-Kathedrale – dem ersten steinernen Gotteshaus Russlands – wurde er zum Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche gekürt. 1448 kam es zur Trennung der Russisch-Orthodoxen Kirche von Konstantinopel. Grund der Trennung: die Moskauer Bischofssynode setzte den Metropoliten ohne die Zustimmung von Konstantinopel ein.
Mitte des 15. Jahrhunderts musste der Kaiser von Byzanz von den Türken fliehen. Der Moskauer Großfürst Iwan III. heiratete die Nichte des letzten byzantinischen Kaisers. Durch diese Heirat festigte er nicht nur die Machtstellung Moskaus, sondern machte Russland zum letzten Zentrum des orthodoxen Glaubens. Nach dem Fall Konstantinopels 1453 galt Moskau als „drittes Rom“.
Erst im Jahr 1589 wurde der autonome Status des Moskauer Patriarchats von Konstantinopel anerkannt. Der erste offiziell anerkannte Patriarch von Moskau und ganz Russland war Iowa.

Nach der Oktoberrevolution 1917 durfte die Religion in Russland nicht frei ausgeübt werden. Viele Kirchen wurden zerstört, zu Lagerhäusern umfunktioniert oder dem Verfall überlassen.

Christ-Erlöser-Kathedrale

Christ-Erlöserkathedrale (russisch: Храм Христа Спасителя) in Moskau

Seit 1990 herrscht in Russland wieder Religionsfreiheit. Staatsoberhäupter besuchen feierliche Messen an großen religiösen Festen wie Ostern und Weihnachten. Auch die russische Bevölkerung ist dabei, die Kirche und Religion für sich zu entdecken. Überall in Russland werden Kathedralen, Kirchen und Klöster renoviert oder neu errichtet. Das wichtigste Zeichen für die steigende Bedeutung der orthodoxen Kirche in Russland war der Wiederaufbau der Christ-Erlöserkathedrale (russisch: Храм Христа Спасителя) in Moskau. 1931 ließ Stalin die Kathedrale abreissen, um hier ein Schwimmbad zu bauen. Zwischen 1990 und 1999 wurde die Kathedrale originalgetreu wieder aufgebaut und im August 2000 offiziell vom Patriarchen geweiht. Die Christ-Erlöserkathedrale ist die größte Kirche Russlands. Hier hält der Patriarch auch die wichtigsten Messen.

Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche ist der Patriarch von Moskau und ganz Russland. Am 27. Januar 2009 wurde Kirill zum Patriarchen von Moskau und ganz Russland ernannt.
Hauptsitz des Patriarchen: Danilow-Kloster (russisch: Данилов монастырь) in Moskau
Liturgiesprache: Altkirchenslavisch (russisch: церковнославянский)

Die wichtigsten Feste der russisch-orthodoxen Kirche sind:
Ostern – Hauptfest
Pfingsten (Troitza, die Dreifaltigkeit) – Ende Mai/ Juni
Weihnachten – 7. Januar

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