Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss

(russisch: Михайловский (Инженерный) замок)

Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss

Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss, Russisches Museum, St. Petersburg

Das Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss in St. Petersburg ist der einzige Bau in Russland, der im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg errichtet wurde.

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Das Schloss war wohl das wichtigste Bauprojekt des russischen Zaren Paul I. (1754-1801). Paul war der Sohn der Zarin Katharina der Großen. Als Paul geboren wurde, stand an der Stelle, wo er später sein Traumschloss bauen sollte, ein hölzerner Sommerpalast. Bereits in jungen Jahren war Paul vom Rittertum, besonders vom Malteser-Orden, fasziniert. Bei seiner Auslandsreise 1781-1782 schaute sich der junge Prinz Ritterburgen ganz genau an. 1784 fing Paul an, seine zukünftige Residenz zu entwerfen. Fast 12 Jahre lang arbeitete Paul zusammen mit mehreren Architekten, darunter Wassilij Baschenow und Vincenzo Brenna an dem Projekt.

Statue von Peter des Großen

Statue von Peter des Großen im Innenhof des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses

Kurz nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1796 ließ Paul I. den alten Sommerpalast abreisen und begann, sein Ritterschloss zu bauen. „Hier wurde ich geboren, hier würde ich gerne sterben“ – soll der Zar gesagt haben. Damals wusste er noch nicht, dass dieser Wunsch viel zu früh in Erfüllung gehen sollte.
Sein Leben lang fürchtete Paul I., Opfer eines Attentats zu werden. Deswegen baute er mitten in St. Petersburg eine richtige Festung. Die Nord- und Ost-Seiten schützten die Flüsse Moika und Fontanka. Zum Schutz der Süd- und Westseiten wurden Wassergräben angelegt, die heute zugeschüttet sind.

Der Grundriss des Schlosses bildet ein Rechteck mit abgerundeten Ecken, in das ein Innenhof eingesetzt wurde. Der Haupteingang befindet sich in der Mitte des Innenhofs. Im Innenhof steht die Statue von Peter dem Großen, dem Großvater von Paul I. Diese Statue wurde bereits 1745-1747 gegossen, nach einem Modell, das der Architekt Bartolomeo Rastrelli noch zu Lebzeiten von Peter des Großen anfertigte.

Das Modell des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses

Das Modell des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses

Das Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss hat vier unterschiedliche Fassaden:
1. Die Hauptfassade (Südseite) schmücken massive Granitobelisken mit kaiserlichen Monogrammen.
2. Die zum Sommergarten gewandte Nordseite mit einer breiten Treppe, einer Kolonnade und einem Balkon erinnert an einen italienischen Palast der Renaissance.
3. Die mit einen Glockenturm und einer vergoldeten Spitze ausgestattete Westseite gleicht einer Kirche.
4. Die schlichte Ostfassade wurde an die Privathäuser angepasst, die sich auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses Fontanka befanden. Sie hat einen halbrunden Vorsprung und eine Kuppel mit einem Türmchen mit Fahnenmast. Hier wurde die kaiserliche Standarte gehisst, wenn der Zar sich im Schloss aufhielt.

Paradetreppe des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses

Paradetreppe des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses

Die rötliche Farbe des Michailowski- (Ingenieurs-) Schlosses wird mit den Farben des Malteser Ritterordens in Verbindung gebracht. Generell wurden bei der Außen- und Innengestaltung des Schlosses oft Malteser Symbole verwendet. Von 1798 bis 1801 war der russische Zar Paul I. Großmeister des Malteser Ordens, obwohl er kein Katholik war.

Benannt wurde das Michailowski-Schloss nach dem Heiligen Erzengel Michael, dem Schutzpatronen der Zarenfamilie Romanow. Im Februar 1801 zog Paul I. endlich vom Winterpalast in sein Ritterschloss um. Doch bereits im März 1801, nur 40 Tage nach dem Umzug, wurde der Zar in seinem Schlafgemach ermordet. Die Zarenfamilie wollte das Schloss nicht mehr bewohnen und kehrte am Tag nach der Ermordung wieder in den Winterpalast zurück. Nach dem Tod Paul I. wurden die Innenräume des Schlosses mehrmals umgebaut.

1822 übergab Pauls Sohn, Zar Alexander I., das Gebäude der Haupt-Ingenieurschule. So erhielt das Schloss seinen zweiten Namen. Diese Ingenieurschule absolvierte der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski sowie viele andere bekannte Persönlichkeiten.

Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul

Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul im Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss, 1858

1857-1858 ließ Zar Alexander II. im Schlafgemach seines ermordeten Großvaters Paul I. eine Kirche der Heiligen Apostel Peter und Paul einrichten. Die Inneneinrichtung der Kirche ist zum Teil bis heute erhalten geblieben. Aus dem Fenster der Schlosskirche sieht man die Auferstehungskirche (auch Erlöserkirche oder Blutkirche genannt), die an der Stelle erbaut wurde, an der Zar Alexander II. bei einem Attentat tödlich verletzt wurde.

Rafael-Galerie im Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss

Rafael-Galerie im Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss

Seit 1991 gehört das Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss dem Russischen Museum. Anfang der 2000er Jahre wurde das Schloss umfassend restauriert. Das gesamte Schloss – von Außen und von Innen – ist ein einzigartiges Kunstwerk und auf jeden Fall den Besuch wert. Im stillvollen Ambiente des Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss werden nicht nur Arbeiten russischer Künstler, sondern auch Gemälde, Skulpturen und andere Werke ausländischer Meister präsentiert, die im 18./ 19. Jh. in Russland gelebt haben.

Permanente Ausstellungen des Russischen Museums im Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss

  • Rafael-Galerie, Fragment der Deckenmalerei

    Rafael-Galerie, Fragment der Deckenmalerei des deutschen Malers Johann Jacob Mettenleiter (1750-1825)

    Die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner

  • Antike Motive in der russischen Kunst
  • Die Epoche der Renaissance in den Werken russischer Maler

Neben der permanenten finden im Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss auch wechselnde Ausstellungen statt.

Adresse des Michailowski- (Ingenieurs-) Schloss in St. Petersburg

Sadowaja Straße, 2 (russisch: Садовая улица, 2)
Metro-Stationen: Gostiny Dwor (russisch: Гостиный двор) oder Newski Prospekt (russisch: Невский проспект)
Info-Telefon: +7 812 570 51 12

Russisches Museum Übersicht

Gebäude des Russischen Museums

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