Die Bibliothek des Zaren

Das Buch von Boris Akunin „Die Bibliothek des Zaren“ ist ein spannender Krimi und ein unterhaltsamer historischer Roman mit einer raffinierten Handlung, die bis zur letzten Seite in Atem hält und einen Einblick in das moderne und alte Russland vermittelt.

  • Die Bibliothek des Zaren
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  • Der englische Historiker Nikolas Fandorin erbt eine geheimnisvolle Handschrift seines Vorfahren, der im 17. Jh. als Söldner nach Russland gekommen war. Nikolas reist nach Moskau und gerät auf die Spur eines unermesslichen Schatzes…
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Der Roman spielt parallel in zwei Welten: im modernen Russland und im Russland Ende des 17. Jahrhunderts.
Ein englischer Historiker russischer Abstammung Nikolas Fandorin fährt nach Russland, um das Geheimnis eines Schriftstücks seines Vorfahren Cornelius von Dorn zu lüften und begibt sich auf Schatzsuche.
Gleichzeitig erfährt der Leser wie Cornelius von Dorn im Jahr 1675 nach Russland kam mit dem Ziel, als reicher Mann nach Europa zurück zu kehren, und warum er den Schatz verstecken musste.
Es stellt sich heraus, dass Russland heute wie vor 300 Jahren voller Überraschungen steckt. Trotzdem beide Helden einen heftigen Kulturschock erleben, mehrmals dem Tod in die Augen schauen müssen, unter den rauen Bedingungen des russischen Lebens leiden und die Russen für unzivilisierte Barbaren halten, können sie von diesem Land nicht so einfach loslassen. Nicht zuletzt dank des Charmes russischer Frauen…

Es macht nicht nur Spaß, die gefährliche Schatzsuche zu verfolgen, sondern auch über die Bräuche der Moskowiter zu lesen. Kritisch und gleichzeitig liebevoll schildert Akunin das russische Leben beider Epochen. Neben Darstellung echter historischer Fakten und Bräuche, lässt der Autor auch seine Phantasie spielen und entwickelt beispielsweise eine neue interessante Theorie über die Todursache des Zaren Alexej Michailowitsch (dem Vater von Peter des Großen).

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Dank der guten Übersetzung lernt man auch einige russische Wörter, Ausdrücke und umgangssprachliche Sprüche.

Spannend, humorvoll und intelligent geschrieben garantiert „Die Bibliothek des Zaren“ von Boris Akunin ein Lesevergnügen erster Klasse für alle Krimifans und Russlandinteressierte.
Wer die anderen Fandorin-Bücher bereits kennt, wird auf keinen Fall enttäuscht sein.

Auf Russisch lautet der Titel des Romans „Altyn-Tolobas“ (russ.: Алтын-Толобас).

Leseprobe aus dem Buch von Boris Akunin „Die Bibliothek des Zaren“

… Was am meisten an dem Verhältnis fasziniert, das den Magister der Geschichte mit Russland verband, ist, dass es absolut platonisch war – der ritterliche Minnedienst an der Herzensdame schließt ja ebenfalls die körperliche Nähe aus. Solange Nicholas Student und Doktorand war, wirkte seine Distanz zum „Reich des Bösen“ gar nicht so befremdlich. Damals, in der Zeit des Krieges mit Afghanistan, des abgeschossenen koreanischen Linienflugzeuges und des in Ungnade gefallenen Erfinders der Wasserstoffbombe, Sacharow, konnten viele Slawisten bei ihren Forschungsprojekten nur auf Bücher und auf die Archiven von Emigranten zurückgreifen. Aber dann begann der böse Zauber, der die eurasische Macht gefangen hielt, allmählich zu weichen. Das sozialistische Reich geriet ins Schlingern und brach mit toller Geschwindigkeit entzwei. In wenigen Jahren schaffte es Russland, in Mode zu kommen und flugs wider unmodern zu werden. Eine Reise nach Moskau galt nicht mehr als Abenteuer, und der eine oder andere ernsthafte Wissenschaftler legte sich sogar eine eigene Wohnung am Kutuzow-Prospekt oder im Südwesten der Stadt zu; nur Nicholas hielt nach wie vor sein Gelübde, dem früheren Russland treu zu bleiben, und beobachtete das neue, sich so schnell verändernde und wer weiß wohin driftende Russland abwartend aus der Distanz….

… Im Unterschied zu seinem Vater, der Nachrichten aus Moskau demonstrativ nicht zur Kenntnis nahm und noch immer „Aeroplan“ und „Salaire“ statt „Flugzeug“ und „Gehalt“ sagte, bemühte sich Fandorin junior up to date zu sein, verfolgte alle Nachrichten aus Russland, suchte die Bekanntschaft mit Russen, die sich vorübergehend im Ausland aufhielten, und notierte sich seitenweise neue Wörter und Ausdrücke in ein eigens dafür angelegtes Vokabelheft: wie man eine Zitrone maust = wie man eine Million stiehlt („mausen“, vgl. englisch: to rat). „Zitrone“: semantischer Ersatz für das Wort „Limone“, das hier homonym für das Wort „Million“ steht, usw. Nicholas liebte es, vor irgendeiner russischen Touristin mit seiner makellosen Moskauer Aussprache und der Kenntnis der neuesten Aussprüche zu prahlen. Der perfekt einstudierte Trick verfehlte seinen Eindruck auf die russische Damenwelt nie: ein zwei Meter langer Londoner Lulatsch mit ungewohnt höflichen Umgangsformen, einem idiotischen Keepsmiling auf den Lippen und einem makellosen geraden Mittelscheitel, kurz, so ein hundertprozentiger englischer Gentleman, sagt auf einmal: „Liebe Natascha, wollen wir nicht nach Chelsea zwitschern? Da ist jetzt voll der Bär los.“…

…Aber bevor vom Brieffragment des Hauptmanns von Dorn und dem rätselhaften Päckchen aus Moskau die Rede sein soll, muss noch ein Umstand erklärt werden, der eine wichtige, ja vielleicht die ausschlaggebende Rolle für das Verhältnis und die Handlungsweise des jungen Magisters spielte. Dieser Umstand lässt sich mit dem wenig schmeichelhaften Wort Nedowintschennost bezeichnen, das Nicholas bei einem seiner flüchtigen neurussischen Bekannten aufgeschnappt hatte (Nedowintschennost: Zustand wie bei einer nicht bis zum Anschlag festgedrehten Schraube; gebraucht im Sinne von: unfertig, unreif, unentschieden, wankelmütig, nicht vollwertig zu sein; er ist irgendwie nedowintschenny, das sagt man von einem Menschen, der keine Persönlichkeit ist, der seinen Platz im Leben nicht gefunden hat.) Das Wort war hart, aber treffend. Nicholas hatte sofort verstanden, dass es sich auf ihn bezog, ja, er ist nedowintschenny. Wackelt hin und her in einem Loch, genannt das Leben, dreht sich lediglich um die eigene Achse, greift aber nicht und hält auch nichts fest – wie eine Schraube, die keine ist. Das russische Präfix „ne-do“ – „nicht ganz“ war überhaupt ein Schlüssel zu Fandorins Wesen. Nie war er etwas ganz, immer fehlte etwas. Nehmen wir zum Beispiel seine Größe. Sechs Feet und sechs Inches, das konnte man nicht gerade eine Untergröße nennen. Nicholas sah auf die meisten Erdenbürger von oben herab. Aber wenn man seine Größe in Meter umrechnete, kam etwas heraus, das symbolisch war: ein Meter neunundneunzig. Wieder fehlte etwas, sonst wären es volle zwei Meter gewesen….

Über den Autor

Boris Akunin (russ.: Борис Акунин) ist das Pseudonym des russischen Kritikers, Philologen und Übersetzers Grigori Tschtscharischwili.
Geboren am 20. Mai 1956 in Georgien, lebt der Autor seit 1958 in Moskau. Seit 1998 veröffentlicht er seine Bücher als Boris Akunin.
Seine Serie über den Ermittler Erast Fandorin, einen Vorfahren des neuen Helden Nicholas Fandorin, machte Akunin weltberühmt. Eine zweite Serie um die kluge und gewitzte Nonne Pelagia, die in der russischen Provinz des 19. Jahrhunderts mit unkonventionellen Methoden Verbrechen aufklärt, ist mit drei Bänden bereits abgeschlossen.
In Russland gehört Boris Akunin zu den beliebtesten und bekanntesten Autoren. Auch seine Fangemeinde in Deutschland und weltweit wächst mit jedem Tag.

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