Laut einem alten Glauben wandert Jesus Christus an Ostern von Haus zu Haus, mit Lumpen bekleidet und prüft wie barmherzig Menschen sind. Denn: "Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." (Matthäus 5-7). Damit man jeden, der vorbeikommt, reichlich bewirten konnte, wurden in Russland zum Osterfest Speisen im Übermaß zubereitet. Früher teilte man sein Festmahl auch mit Armen und brachte Eier, Osterbrote, Käse und Quark in Krankenhäuser und Gefängnisse.
Rezept für russisches Osterbrot Kulitsch (auf russisch: кулич)
Am Ostersonntag beginnt das Festessen traditionell mit Eiern und Paskha (russ.: пасха) - einer Mischung aus Quark, Butter, Eiern, Zucker und Rosinen.
Bunte Eier
Eier symbolisieren die Wiedererstehung Christi und sind deswegen auch für Russisch-Orthodoxe Christen besonders wichtig. Sie werden bereits am Donnerstag vor dem Ostersonntag gekocht und bemalt. Dabei werden zum Färben immer noch gerne traditionelle und einfache Mittel verwendet. Die beliebteste Methode dabei ist das Färben mit Zwiebelschalen.
Und das geht so:
- Zwiebelschalen im Wasser kochen und den Sud ziehen lassen. Die Farbe kann von gelb bis dunkelbraun variieren, je nachdem wie viele Zwiebelschalen man verwendet. Um eine intensive dunkelbraune Farbe zu bekommen, nimmt man möglichst viele Zwiebelschalen und kocht sie ca. 30 Minuten.
- Eier waschen, in den Sud geben, ca. 10 Minuten mitkochen, rausnehmen, kalt abschrecken und mit Pflanzenöl einreiben, damit sie schön glänzen.
- Gibt man einen Schuss Öl in das Kochwasser, bekommen die Eier ein Marmor-Muster.
- Um gepunktete Eier zu kreieren, wälzt man nasse Eier in trockenen Reiskörnern, fixiert die Körner mit einem Stück Nylon oder Mull und koch sie dann im Sud aus Zwiebelschalen.
Tipps zum Eier Kochen:
Damit die Eier nicht nur schön aussehen, sondern auch gut schmecken, sollte man folgende Regeln beachten:
- Eier nie direkt aus dem Kühlschrank ins kochende Wasser legen, sondern erst die Zimmertemperatur annehmen lassen. Sonst springt die Schale.
- Eier nie im sprudelnden Wasser, sondern bei geringer Hitze kochen.
- Den Kochtopf so wählen, dass die Eier relativ eng zusammen liegen, damit sie beim Kochen nicht hin- und herrollen und sich gegenseitig beschädigen können.
- Eier am stumpfen Ende mit einer Nadel anstechen, damit die Luft entweichen kann.
- Das Wasser sollte die Eier komplett bedecken und 1 cm drüber stehen.
- Salz oder Essig im Kochwasser verhindern das Austreten des Eiweißes.
- Eier nicht zu lange kochen. Sonst wird das Eigelb gummiartig.
- Sehr frische Eier (frischer als 4 Tage) 3 Minuten länger kochen.
- Zum Schluss die Eier mit kaltem Wasser abschrecken, damit der Kochprozess beendet wird. Außerdem lassen sich die Eier dann besser schälen.
- Am besten legt man die Eier ins kalte Wasser, lässt das Wasser aufkochen, reduziert die Hitze und stoppt dann die Zeit.
Die Garzeit hängt von der Größe und Frische der Eier ab. Man kann sich aber an folgende Garzeiten orientieren:
- Nach 3 Minuten ist das Ei noch halbflüssig.
- Nach 4 Minuten wird das Eiweiß hart, das Eigelb bleibt aber noch flüssig.
- Nach 5 Minuten sind Eiweiß und Eigelb hart. In der Mitte bleibt das Ei noch weich.
- Nach 7 Minuten sind Eier hart gekocht.
Ostermenü Russischer Art
Das russische Ostermahl besteht aber natürlich nicht nur aus Eiern. Nach sechs Wochen Fasten durften Fleischgerichte am Tisch nicht fehlen. Manchmal zählte ein Ostermenü sogar 48 Gänge, nach der Anzahl der Fasttage. Aber auch bei weniger Auswahl fiel das Festessen meisten sehr üppig aus. So bekam die Zarenfamilie der Romanows im Jahr 1903 folgende Speisen vorgesetzt: Paskha, Osterbrot, Eier, Stör, Hausen, Sternhausen, Lachs, Zander, Fasan, Rebhuhn, Birkhahn, Ente, Lamm, Schinken, Zunge, Rind auf Knochen, Kalb, diverse Piroggi (gefüllte Teigtaschen).
Gute Rezepte für die Quarkspeise Paskha und den Osterkuchen Kulitsch gibt es im Kochbuch Culinaria Russia.
Rezept für russisches Osterbrot Kulitsch (auf russisch: кулич)
Rezept für Rindfleisch, gegart nach russischer Art.
Der Ostertisch wurde aber nicht nur reich gedeckt, sondern auch schön geschmückt. Auch in einfachen Familien stellte man Kerzen sowie mit Frühlingsgrün, Blumen oder bunten Stoffresten dekorierte Körbchen auf die Festtafel.
Und in einem einfachen Spiel fand man heraus, wie glücklich das nächste Jahr wird. Dafür stießen die Spieler Ostereier mit spitzen Enden aneinander. Derjenige, dessen Ei am härtesten war und bis zum Schluss heil geblieben ist, gewann und durfte sich über sein Glück freuen.
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