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Das Große Fasten in der Russisch-Orthodoxen Kirche

Mit dem Große Fasten bereiten sich orthodoxe Christen in Russland sieben Wochen lang auf das Fest der Auferstehung Christi vor.
2012 wird Ostern in Russland am 15. April gefeiert. Das Große Fasten beginnt nach der Fastnachtswoche Maslenitsa am 27. Februar und endet am 14. April 2012.

Auf Russisch bedeutet das Große Fasten "Великий пост" [welikij poßt]. Wichtig ist: das Fasten ist keine Diät. Der eigentliche Sinn des Fastens besteht darin, nicht nur den Körper, sondern vor allem den Geist zu reinigen und zu entgiften. Man sollte alle bösen Gedanken vertreiben, seinen Zorn zähmen, nicht lügen und auf sämtliche Gelüste verzichten. Wer alles richtig macht, soll sich nach dem Fasten geistig und körperlich viel wohler fühlen. Man wird gelassener, ausgeglichener und gesünder.
Weil die geistige Reinigung beim Fasten viel wichtiger als der Verzicht auf Nahrung ist, hat die Russisch-Orthodoxe Kirche folgende Menschen von den Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme befreit:

  • Schwangere und stillende Frauen
  • schwer Kranke
  • Arbeiter mit schwerem körperlichem Einsatz
  • Militär
  • Reisende

Als Ausgleich müssen diese Menschengruppen sich um so mehr auf die geistige Reinigung konzentrieren und auf jegliche Unterhaltung verzichten.

Fasten im modernen Russland

Die im Februar 2010 durchgeführte Umfrage des Russischen Zentrums für Meinungsforschung (WZIOM) kam zu folgenden Ergebnissen:

  • 76-83% der Russen haben sich in den letzten zehn Jahren in der Fastenzeit ganz normal ernährt.
  • Nur 4% der Menschen in Russland haben vor, im Jahr 2010 alle Einschränkungen der Fastenzeit zu beachten. 
  • 6% wollen nur in der letzen Fastenwoche vor Ostern auf verbotene Nahrungsmittel verzichten.
  • 61% der Russen verbinden das Fasten nur mit den Einschränkungen beim Essen. 23% wissen, dass man sich während der Fastenzeit auch vorbildlich benehmen sollte (nicht schimpfen, nichts Böses tun, nicht lügen). Nur für wenige bedeutet das Fasten auch Verzicht auf Alkohol (8%), Sex (4%) und Unterhaltung (4%).

Befragt wurden 1.600 Personen in 42 Regionen Russlands.

Fasten traditionell

Das eigentliche Fasten dauert 40 Tage und soll an die Leidenszeit Jesus Christi in der Wüste erinnern. Nach seiner Taufe durch Johannes wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um dort vom Teufel versucht zu werden. Jesus aß und trank nichts, sondern konzentrierte sich auf seinen Geist.

Das Große Fasten in der Orthodoxen Kirche beginnt 48 Tage vor Ostern, gleich nach dem Faschingssonntag (Maslenitsa). Dies ist die wichtigste und längste Fastenzeit im orthodoxen Kirchenjahr. Am ersten Tag des Fastens, dem Reinen Montag, sollten die Gläubigen das Haus gründlich putzen und den Körper in der Banja (russischen Sauna) reinigen. Auf die ersten 40 Tage des Großen Fastens folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag und die Karwoche.

Piroschki (kleine Piroggi)

Während des Fastens dürfen keine tierischen Erzeugnisse gegessen werden. Dazu gehören neben Fleisch auch Milchprodukte, Eier und Fisch. Am Reinen Montag und am Karfreitag sollten orthodoxe Christen komplett aufs Essen verzichten. Außerdem darf man während der gesamten Fastenzeit montags bis freitags keine pflanzlichen Öle zu sich nehmen. Pflanzenöl ist nur am Gründonnerstag (russisch: Страстной Четверг) und wenigen anderen Tagen erlaubt. Fisch darf nur an zwei Tagen auf den Tisch: an Mariä Verkündigung (auch Verkündigung des Herrn) am 7. April und am Palmsonntag (der Sonntag vor Ostern). Am Lazarus-Samstag darf Kaviar gegessen werden.

Erlaubt sind: Brot (am besten Vollkorn), diverse Breie (mit Wasser gekocht), Gemüse, Früchte, Pilze, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Während des Fastens haben Gläubige in Russland früher vor allem Suppen und Piroggi mit verschiedenen Füllungen gegessen. Diese wurden natürlich ohne Butter und Öl zubereitet. Zu den beliebtesten Piroggi-Füllungen gehörten Pilze, Mohn, Erbsen, Weißkohl und Beeren. An Fisch-Tagen wurde fein gehackter Fisch mit Hafer- oder Buchweizenbrei gemischt.  
Das einfachste Gericht war die so genannte Tjurja (russisch: тюря). Dazu löste man im kalten leicht gesalzenen Wasser etwas Brot auf und mischte ein wenig Zwiebel rein.

Gerichte, die auch während des Großen Fastens gegessen werden dürfen:

Piroggi - Teigtaschen gefüllt mit Weißkohl und Zwiebel
Schtschi - russische Kohlsuppe mit Wasser statt Brühe gekocht
Erbsensuppe – ohne Fleisch und Speckwürfel

Fasten mit strenger Diät sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

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