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Das Große Fasten in der Russisch-Orthodoxen Kirche

Zwiebeltürme einer russischen Kirche

Mit dem Große Fasten bereiten sich orthodoxe Christen in Russland sieben Wochen lang auf das Fest der Auferstehung Christi vor. In der russisch-ortodoxen Kirche beginnt das Große Fasten am Montag nach der Fastnachtswoche Maslenitsa und endet an
Ostern.

Termine für das Große Fasten in der russisch-ortodoxen Kirche:

2023: 27. Februar bis zum 15. April
2024: 18. März bis zum 4. Mai
2025: 3. März bis zum 19. April

Auf Russisch bedeutet das Große Fasten “Великий пост” [welikij poßt]. Wichtig ist: das Fasten ist keine Diät. Der eigentliche Sinn des Fastens besteht darin, nicht nur den Körper, sondern vor allem den Geist zu reinigen und zu entgiften. Man sollte alle bösen Gedanken vertreiben, seinen Zorn zähmen, nicht lügen und auf sämtliche Gelüste verzichten. Wer alles richtig macht, soll sich nach dem Fasten geistig und körperlich viel wohler fühlen. Man wird gelassener, ausgeglichener und gesünder.
Weil die geistige Reinigung beim Fasten viel wichtiger als der Verzicht auf Nahrung ist, hat die Russisch-Orthodoxe Kirche folgende Menschen von den Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme befreit:

  • Schwangere und stillende Frauen
  • schwer Kranke
  • Arbeiter mit schwerem körperlichem Einsatz
  • Militär
  • Reisende

Als Ausgleich müssen diese Menschengruppen sich um so mehr auf die geistige Reinigung konzentrieren und auf jegliche Unterhaltung verzichten.

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Fasten im modernen Russland

Eine im März 2020 durchgeführte Umfrage des Russischen Zentrums für Meinungsforschung (WZIOM) kam zu folgenden Ergebnissen:

  • 94% der Befragten hatten vom Großen Fasten gehört. Mehr als die Hälfte wußte das genaue Datum aber nicht.
  • 55% sagten, dass sie die mit dem Großen Fasten verbundenen Einschränkungen kennen.
  • 69% hatten nicht vor zu fasten.
    Bei jungen Leuten war dieser Anteil höher:
    80% (18- bis 24-jährige) und 81% (25- bis 34-jährige)
  • Nur 10% waren sich sicher, dass sie das Fasten einhalten werden.

Quelle: WZIOM Umfrage (auf Russisch)

Fasten traditionell

Das eigentliche Fasten dauert 40 Tage und soll an die Leidenszeit Jesus Christi in der Wüste erinnern. Nach seiner Taufe durch Johannes wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um dort vom Teufel versucht zu werden. Jesus aß und trank nichts, sondern konzentrierte sich auf seinen Geist.

Das Große Fasten in der Orthodoxen Kirche beginnt 48 Tage vor Ostern, gleich nach dem Faschingssonntag (Maslenitsa). Dies ist die wichtigste und längste Fastenzeit im orthodoxen Kirchenjahr. Am ersten Tag des Fastens, dem Reinen Montag, sollten die Gläubigen das Haus gründlich putzen und den Körper in der Banja (russischen Sauna) reinigen. Auf die ersten 40 Tage des Großen Fastens folgen der Lazarus-Samstag, der Palmsonntag (Weidensonntag) und die Karwoche.

Während des Fastens dürfen keine tierischen Erzeugnisse gegessen werden. Dazu gehören neben Fleisch auch Milchprodukte, Eier und Fisch. Am Reinen Montag und am Karfreitag sollten orthodoxe Christen komplett aufs Essen verzichten. Außerdem darf man während der gesamten Fastenzeit montags bis freitags keine pflanzlichen Öle zu sich nehmen. Pflanzenöl ist nur am Gründonnerstag (russisch: Страстной Четверг) und wenigen anderen Tagen erlaubt. Fisch darf nur an zwei Tagen auf den Tisch: an Mariä Verkündigung (auch Verkündigung des Herrn) am 7. April und am Palmsonntag (der Sonntag vor Ostern). Am Lazarus-Samstag darf Kaviar gegessen werden.

Erlaubt sind: Brot (am besten Vollkorn), diverse Breie (mit Wasser gekocht), Gemüse, Früchte, Pilze, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Piroggi

Piroschki (kleine Piroggi)

Während des Fastens haben Gläubige in Russland früher vor allem Suppen und Piroggi mit verschiedenen Füllungen gegessen. Diese wurden natürlich ohne Butter und Öl zubereitet. Zu den beliebtesten Piroggi-Füllungen gehörten Pilze, Mohn, Erbsen, Weißkohl und Beeren. An Fisch-Tagen wurde fein gehackter Fisch mit Hafer- oder Buchweizenbrei gemischt.
Das einfachste Gericht war die so genannte Tjurja (russisch: тюря). Dazu löste man im kalten leicht gesalzenen Wasser etwas Brot auf und mischte ein wenig Zwiebel rein.

Gerichte, die auch während des Großen Fastens gegessen werden dürfen:

Piroggi – Teigtaschen gefüllt mit Weißkohl und Zwiebel
Schtschi – russische Kohlsuppe mit Wasser statt Brühe gekocht
Bohnensuppe mit Walnüssen – nahrhaft und proteinhaltig
Pilzkaviar – Pilze werden von Ernährungsspezialisten als Fleischersatz empfohlen

Fasten mit strenger Diät sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

24 Kommentare zu “Das Große Fasten in der Russisch-Orthodoxen Kirche”

  1. Alexander

    Gibt es noch andere wirkliche Mahlzeiten für das Fasten? Ich weiß, dass der Fokus auf die Bindung zu Gott liegt, ich werde diesen März 18 und meine Serbisch-Orthodoxen Eltern wollten nicht, dass ich zuvor faste. Was könnte man vielleicht als tägliche Stärkung vorschlagen? Danke im Voraus.

    Alexander

    • Anastassia

      Hallo Alexander,
      wenn dir die auf dieser Seite vorgeschlagenen Gerichte nicht zusagen, könntest du dich während der Fastenzeit zum Beispiel vegan ernähren. Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse oder im Wasser gekochter Reis sind auch gute Optionen. Um den Willen und Geist zu stärken könntest du zusätzlich auf deine Lieblingslebensmittel verzichten. Um eine ausgewogene Ernährung zu haben, wäre es empfehlenswert mit einem Ernährungsberater zu reden.

  2. Nelli

    Ist es erlaubt vegane Ersatzprodukte zu essen? (veganer Käse, Frischkäse etc.)

    • Anastassia

      Erlaubt sind pflanzliche Lebensmittel, außer an speziellen Tagen, an denen auch keine pflanzlichen Öle eingenommen werden sollten (siehe oben auf dieser Seite). Dabei sollte man vollwertige einfache Kost bevorzugen. Das heißt, dass man auch vegane Ersatzprodukte am besten weglassen sollte, weil sie oft stark industriell verarbeitet sind, viel Zucker, Salz etc. enthalten.

      Außerdem wird immer wieder betont, dass es beim Fasten nicht nur ums Essen geht. Der Sinn des Fastens besteht darin, übermäßige weltliche Freuden aufzugeben, um den Geist zu stärken. Sich mit veganen Produkten den Bauch vollzuschlagen würde die gesamte Bedeutung des Fastens zunichte machen. Im Endeffekt kommt es aber natürlich darauf an, welche Ziele man selbst man mit dem Fasten verfolgt, wie streng man es nimmt und wie religiös man ist.

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