KulturSchock Russland

von Barbara Löwe

Kulturschock Russland“ ist kein Reiseführer, sondern eine umfangreiche Orientierungshilfe für alle, die sich für Russland interessieren bzw. beruflich oder privat mit Russen zu tun haben. Das Buch ist mit schwarz-weiß Bildern illustriert und so geschrieben, dass man es als eine fortlaufende Geschichte lesen kann.

  • KulturSchock Russland
  • Kulturschock Russland
  • Ein sehr informatives Buch, das einen detaillierten Überblick über das Alltagsleben, Traditionen und Bräuche der Menschen im heutigen Russland liefert.
  • Aktueller Preis und weitere Informationen

Die im Buch verwendete Lautschrift für russische Wörter ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie nicht der üblichen entspricht. Zum Beispiel, fortočka (russ.: форточка [fórtatschka], das kleine Zusatzfensterchen in der oberen Ecke des normalen Fensters), kaša (russ.: каша [káscha], Brei aus Haferflocken, Buchweizen oder Reis), oder šápka (russ.: шапка [schápka], Pelzmütze).

Das Buch „Kulturschock Russland“ ist in fünf Hauptkapitel unterteilt:

1. Landesnatur

Dies ist das kürzeste Kapitel des Buches, in dem die geographische Lage, das Klima und die Vegetation Russlands beschrieben werden. Sehr gut erklärt sind vor allem die Besonderheiten der russischen Jahreszeiten.

2. Vergangenheit und Gegenwart

Kulturschock Russland 18./19. Jahrhundert

Russland im 18./19. Jahrhundert

„Wer die Gegenwart eines Landes darstellen wollte, ohne auch dessen Geschichte einzubeziehen, bliebe orientierungslos auf unsicherem Grund“, – meint die Autorin und gibt einen recht ausführlichen Exkurs in die Geschichte Russlands angefangen von der Entstehung des Kiever Rus im 9. Jahrhundert bis zur Auflösung der Sowjet Union und Gründung der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) im Jahr 1991. Dabei werden die Besonderheiten in der historischen Entwicklung Russlands, die die Mentalität der Menschen geprägt haben und deren Folgen bis heute spürbar sind, extra erklärt. Dazu gehören, zum Beispiel, die Leibeigenschaft, das Kosakentum sowie das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Die kontinuierliche geographische Ausdehnung Russlands wird auf übersichtlichen Karten dargestellt.
Der Leser erfährt auch, wie es dazu kam, dass Russlands zu einem Vielvölkerstaat wurde und wie sich das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Völkern über Jahrhunderte entwickelt hat.

3. Wandel und Kontinuität

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Dieses längste Kapitel des Buches wird in mehrere kleine Abschnitte unterteilt, die vor allem Denkweisen und Lebensumstände der Russen darstellen. So lernt man, was die Russen vom Eigentum und Hierarchien halten, welche Rolle Frauen und Omas (die berühmten Babuschkas) in der Gesellschaft spielen, welche Unterschiede es zwischen Stadt und Land, Metropolen und Provinz, Europa und Asien gibt.

Trotzdem die Autorin sagt, dass sich positive Entwicklungen in
Russland langsam bemerkbar machen, und die Mittelschicht allmählich wächst, entsteht leider immer wieder der Eindruck, dass es in Russland entweder sehr reiche oder sehr arme Menschen gibt. Es stimmt zwar, dass die Kluft zwischen Reich und Arm extrem groß ist. Doch es gibt auch Russen, die nicht jeden Rubel zählen müssen, aber auch nicht in Luxus schwimmen. Sie können sich ein normales Auto und einen angenehmen Urlaub leisten, ohne gleich eine Luxuskarosse zu kaufen oder zu einem 5-Sterne Ressort fahren zu müssen. Und auch nicht alle Reichen haben ihr Vermögen über dubiose Geschäfte in der Schattenwirtschaft verdient.

Es werden sehr gute Einblicke in das Alltagsleben der „zwei Metropolen im Wettstreit“ – Moskau und St. Petersburg – gewährt. Die beschriebenen Beobachtungen treffen größtenteils auch auf den Rest des Landes zu.
Dieses Unterkapitel ist in folgende Abschnitte unterteilt:

Wohnung

Kulturschock Russland Wohnung

Blick in die Wohnung eines Normalbürgers

Ausschnitt aus dem Buch:

„Die Einrichtung der Wohnungen geschieht, nach Maßgabe und Möglichkeiten, mit Liebe und Sorgfalt.
Da die durchschnittlichen städtischen Wohnhäuser keine Speicher-, Keller- oder sonstigen Nebenräume haben, ist die Unterbringung des Hausrats eine Kunst. Flur, Bad bzw. Toilette sind häufig völlig zugebaut von Regalen, Hängevorrichtungen und Ständern, die Schuhe, Kleidung, Skier, Schlitten und andere Sportutensilien, Angelausrüstung, Kinderspielzeug, Klappbetten unw. aufnehmen. Auch der kleine Balkon dient als Stauraum. Heute werden viele Balkone verglast oder mit Netzen überspannt – ersteres, um mehr Wohnraum zu haben, letzteres aus Sicherheitsgründen.
Die einzelnen Räume, in der Regel mit schönen Dieleböden ausgestattet, haben mehrere Funktionen, ein reines Schlaf- oder Wohnzimmer gibt es praktisch nicht. Der primär als Wohnzimmer dienende Raum ist oft mit hochglanzpolierten Möbeln, wie Buffet und Couchtisch, und sehr farbigen Polsterteilen ausgestattet. Der Teppich hängt, nach östlicher Tradition, in vielen Fällen an der Wand.
Teppiche sind Statussymbole: selbst in finanziell und räumlich beengten Verhältnissen bemühen sich die Familien, einen oder mehrere Teppiche an den Wänden unterzubringen.
… Mittelpunkt der Wohnung ist die Küche. Auch sie ist sehr dicht bestückt mit Schränken, Regalen, Küchengeräten und dem zentralen Tisch. Sie ist Treffpunkt der Familie, der Freunde und Bekannten, hier wird Alltag gelebt, werden Probleme gelöst, wird diskutiert, gefeiert, gesungen. Vertraute oder sympathische Gäste werden in die Küche gebeten. Dissidententum soll sozusagen von der Küche ausgegangen sein. … Und auch in den schicksten Villen der Neureichen gilt: Man sitzt in der Küche, im Trainingsanzug und bei laufendem Fernsehgerät.“

Essen und Trinken

Ausschnitt aus dem Buch:

„Gemeinsames Essen und Trinken haben einen hohen Stellenwert. Klima und Traditionen haben es mit sich gebracht, dass man gern fett und süß kocht. Die aus westlichen Wohlstandsgesellschaften bekannten Überlegungen zu Ausgewogenheit, Vitaminreichtum oder Kaloriemenge, auch vegetarische Ernährung und Vollwertkost, wurden lange Zeit belächelt, finden inzwischen jedoch mehr und mehr Eingang in die Essgewohnheiten, zumal bei finanziell gut gestellten und der Jugend.
… Der Tee wird in besonderer Weise hergestellt: Ein recht starker Teesud (zavárka) wird glasweise nach Belieben mit heißem Wasser verdünnt. Früher kam das Wasser aus dem Samowar. Die verschiedenen Milchprodukte sind relativ unbehandelt und schmecken sehr erfrischend. Brotsorten gibt es viele, verbreitet ist ein schweres, säuerlich schmeckendes Schwarzbrot. … das kulinarische Heimweh von Russen, die längere Zeit im Ausland leben, bezieht sich denn auch in erster Linie auf die Milchprodukte und das Brot sowie auf die diversen Kohlsuppen und –eintöpfe.“

Arbeit

Hier wird die Haltung der Russen zur Arbeit erläutert, die immer noch durch die langen Jahre des Sozialismus geprägt ist.

Feiertage und Feste

Hier gibt es kurze interessante Hintergrundinformationen zu den einzelnen Nationalfeiertagen und kirchlichen Festen.

Freizeit und Urlaub

Der Abschnitt liefert eine recht ausführliche Beschreibung diverser Freizeitaktivitäten. Neben dem berühmten Pilzesammeln, Beerensuchen und Datscha-Ausflügen wird auch erwähnt, dass die Russen sehr gerne und viel lesen, zur Begleitung von Gitarre singen und tanzen – „oft auch nur Frauen miteinander“.

Alkohol und Drogen

Leider stimmt es, dass der hohe Alkoholkonsum in Russland zur Realität gehört und „eine allgemeine Unberechenbarkeit des Verhaltens“ mit sich bringt.

Gesundheit und Kriminalität

Hier wird einen Einblick in das Gesundheitssystem und in russische Krankenhäuser gewährt. Außerdem erfährt man, wie die Russen mit eigenen Krankheiten und kranken Menschen umgehen.

Ausschnitt aus dem Buch:

„Wenn möglich, und durchaus nicht nur aus Kostengründen, wenden sich russische Patienten jedoch erst einmal den so genannten natürlichen Heilmitteln und Heilverfahren zu. So ist die alte Kunst, für fast alle denkbaren Varianten der äußerlichen und der innerlichen Anwendung Aufgüsse, Salben und Tees aus Heilpflanzen, Honig, Himbeersirup, Wodka und vielen anderen Ausgangsstoffen herzustellen, nach wie vor weit verbreitet.“

Alter, Behinderung und Tod

Ausschnitt aus dem Buch:

„Russische Menschen achten, lieben und beschützen das Kleine, Schwache, Hilflose – ihre Liebe zu Kindern ist sprichwörtlich -, sehr oft auch das Andersartige, nicht Genormte. Im gewissen Sinne gehört dazu auch die Haltung gegenüber alten Menschen. Wenn die Großmutter oder der Großvater zur privaten Umgebung gehören oder in der Familie leben, sind sie im allgemeinen trotz des Generationskonflikts hoch angesehen und in den Alltag integriert, man möchte auf Sie hören und ihre Lebensweisheit achten. Das Verhalten gegenüber Behinderten ist dagegen eher verstört und hilflos.“

Der Abschnitt „Gegenwart und Zukunft: einige Tatsachen und Perspektiven“ gibt einen sehr guten Überblick über aktuelle Entwicklungen in Russland. Es geht darum, wie die Russen mit negativen und positiven Veränderungen umgehen, die der Abschied vom sozialistischen System verursacht hat. Die Autorin berichtet über Probleme und Erfolge des neuen Staats sowie über das neue staatlich-politische Selbstbewusstsein der russischen Bevölkerung.

Ausschnitt aus dem Buch:

…“Demnach versteht die russische Kultur sich nicht nur gegenüber den nichtrussischen Ethnien im Lande eindeutig als Leitkultur mit unbedingter Priorität, sondern setzt sich auch vom „Wesen“ und dessen Wertmaßstäben ab. So wird zum Beispiel immer wieder der besondere russische „Gemeinschaftssinn“ dem westlichen „Individualismus“ gegenübergestellt.“

4. Russland und die Fremden, Fremde in Russland

Kulturschock Russland Brot und Salz

Traditionelle Begrüßung mit „Brot und Salz“

Das Kapitel beschreibt, wie man sich in Russland gegenüber Fremden aller Art, sei es Gäste oder andere Völker, verhält. Einige praktische Hinweise helfen, die Russen zu verstehen und so manche Fettnäpfchen zu vermeiden. Man lernt, russische Körpersprache zu deuten, richtige Namen und Anreden zum richtigen Zeitpunkt zu benutzen, sich auf die russische Gastfreundschaft vorzubereiten und vieles mehr.

Ausschnitt aus dem Buch:

„Wenn Russen einen ausländischen Gast beherbergen, betreuen sie ihn sehr intensiv und gleichsam rund um die Uhr. Offenbar ist er in ihren Augen ein unselbstständiges Wesen, das allein keinen Schritt tun, keine Entscheidung treffen, keinen Ausflug machen kann. Vor allem muss er genügend essen und trinken, sich warm genug anziehen und in das richtige Verkehrsmittel steigen. Und möchte er einmal ein paar Minuten allein sein, sich (falls vorhanden) in sein Zimmer zurückziehen, taucht sofort der Verdacht auf, er könnte sich dort einsam fühlen.“

5. Russen und Deutsche

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Seit dem ersten politischen Kontakt im 10. Jahrhundert, hat sich zwischen Deutschland und Russland eine besondere Beziehung entwickelt. Die Autorin zeigt, welche historischen Ereignisse die gegenseitige Wahrnehmung der beiden Völker beeinflusst haben. In zum Teil amüsanten Geschichten erzählt sie, welche Klischeevorstellungen Deutsche und Russen voneinander haben und wie Russen das Alltagsleben in Deutschland empfinden.

Fazit:

Kulturschock Russland“ ist ein sehr informatives Buch, das einen detaillierten Überblick über das Alltagsleben, Traditionen und Bräuche der Menschen im heutigen Russland liefert. Es hilft zu verstehen, wie die Russen denken, wie sie sich selbst und die Welt um sie herum wahrnehmen. Natürlich gibt es Punkte, über die man streiten kann. Doch meistens überzeugt die Autorin mit einer objektiven Darstellung der Fakten oder unterschiedlicher Meinungen zu einem bestimmten Thema. So hat jeder die Chance, sich sein eigenes Bild von Russland zu machen.

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