Helden des Alltags

von Wladimir Kaminer und Helmut Höge

Ein lichtbildgestützter Vortrag über die seltsamen Sitten der Nachkriegszeit.

Die Hauptdarsteller dieser Geschichtesammlung sind ganz normale Menschen, die ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgehen. Erstaunlich wie spannend, komisch und lehrreich dieses Treiben sein kann!

Gemacht wurde das Buch von zwei unermüdlichen Menschenbeobachtern, dem Autor Wladimir Kaminer und dem Dia-Sammler Helmut Höge. Der eine schreibt Geschichten über Menschen, die er kennt, denn „wie kann ich eine einigermaßen vernünftige Geschichte über etwas schreiben, das ich nicht kenne.“ Und der andere hat bereits eine Viertelmillion Dias von wildfremden Menschen gesammelt. „Die Menschen auf den Fotos wirken einerseits so fremd, wie von einem anderen Planeten, und andererseits hat man sofort das Gefühl, sie zu kennen“, sagt Kaminer zu Höge in der Geschichte „Menschen, die einander interviewen“.

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Und tatsächlich werden viele sich selbst, eigene Familie und Freunde in der einen oder anderen Geschichte erkennen, über vertraute Situationen schmunzeln und vielleicht ein wenig toleranter zu den Schwächen und Spinnereien anderer werden.

Im Buch begegnen wir Menschen, die sich mutig unterschiedlichsten Herausforderungen des Alltags stellen, sei es beim Schlafen, Essen, Lernen, Angeln, Klettern oder Kochen. Sogar ein Kühlschrank wird zum Objekt spannender Untersuchung, eine Waage versetzt eine ganze Familie in Waagewahn und das Kochbuch „Die sowjetische Kochkunst“ verwandelt die Küche in eine Werkstatt.

Diese bekannt klingenden und liebevoll erzählten Alltagsgeschichten machen das Buch zu einer sehr angenehmen und oft amüsanten Lektüre.

Ein Auszug aus der Geschichte „Menschen und Einheimische“

Noch in der Pubertät beginnt der Mensch nach den Gründen seines Unglücks zu suchen und wird dann schnell in seiner Umwelt fündig. Das verfluchte Land und die idiotischen Zeitgenossen sind schuld. Er will weg; neue unbekannte Welten entdecken, am besten solche, wo immer die Sonne scheint, wo exotische Pflanzen wachsen und goldfarbene Fische im Wasser vor sich hin glitzern. Dort wird er aber jedes Mal mit Eingeborenen konfrontiert. Sie erfüllen eine wichtige Mission: Höflich, freundlich und unkonventionell zeigen die dem Neuankömmling, wie dumm es von ihm war, auf die Idee zu kommen, das es anderswo anders sein kann. Das Einzige, wodurch sich die Eingeborenen von den eigenen Landsleuten unterschieden, ist, dass sie gerne fotografiert werden. Ansonsten wollen sie einem alle genau wie zu Hause stets die Früchte ihrer Arbeit andrehen, die keiner haben will.

Das Buch erschien im Wilhelm Goldmann Verlag, München.

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