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Russische Ostern

In Russland ist Ostern (russ.: Пасха [páskha]) das größte und schönste religiöse Ereignis im Jahr. Die Feierlichkeiten sind sogar prächtiger als an Weihnachten. Gläubige und Atheisten, Kinder und Erwachsene, Dorf- und Stadtbewohner strömen in die Kirchen, um an der festlichen Messe teilzunehmen. Denn Ostern ist mehr als eine kirchliche Feier der Christi Auferstehung. Das ist eine jahrhundertlange Tradition, die auch die Kommunisten nicht unterbinden konnten. Ostern säubert die Seele und die Gedanken und bringt jedem Frieden, Freude und Hoffnung. Nicht zuletzt freuen sich die Russen auf ein üppiges und frohes Familienfest mit köstlichen Kreationen der rituellen Küche. Osterbrot (russ.: кулич [kulítsch]), spezieller Quarkkuchen Paskha, farbige Eier und viele andere Leckereien stehen auf der Festtafel.

In Russland wird Ostern normalerweise später als im Westen gefeiert. Das passiert, weil das Osterdatum nach zwei voneinander abweichenden Kalendern berechnet wird. Dabei hält sich die russisch-orthodoxe Kirche an den alten Julianischen Kalender, während die westlichen Kirchen den Gregorianischen Kalender aus dem 16. Jahrhundert verwenden.

Termine für Russisch-Orthodoxe Ostern:

2007

8. April

2014

20. April         

2008

27. April        

2015

12. April

2009

19. April

2016

1. Mai

2010

4. April

2017

16. April

2011

24. April

2018

8. April

2012

15. April

2019

28. April

2013

5. Mai

2020

19. April

Ostern in der Russisch-Orthodoxe Kirche

Kirill I., Patriarch von Moskau und ganz Russland, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche seit Februar 2009

In der Russisch-Orthodoxen Kirche wird die Osternacht auf eine besondere Weise zelebriert. Schon am Samstagabend versammeln sich festlich gekleidete Menschen in noch dunklen Kirchen, die eine düstere Welt ohne das Licht des Glaubens symbolisieren. Früher hat man geglaubt, dass die Teufelskreaturen in der Nacht vor Ostern besonders böse wurden. Nach dem Sonnenuntergang trauten sich die Leute nicht mehr auf die Straße, weil sie in jeder Katze eine Hexe und in jedem Hund einen Teufel sahen. Die Kirche war dagegen ein sicherer Zufluchtsort.

Bilder: Ostermesse in Moskau 2009

Feierliche Messe in der Christ-Erlöser-Kathedrale mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill. Wer nicht dabei sein konnte, verfolgte die Ostermesse im russischen Fernsehen.

zum Vergrößern Bilder anklicken

Bildquelle: Pressedienst des Moskauer Patriarchats

Osterbrauch (Christowanije). Maler: B. Kustodijew (1916)

Um Mitternacht verkündet das Glockenläuten die Auferstehung Christi. Priester erscheinen am Altar mit dem Kreuz und den Kerzen. Sie gehen singend durch die Kirche und dann draußen um sie herum. Alle zünden ihre Kerzen an und folgen der festlichen Prozession. Die Gotteshäuser füllen sich mit Licht und Freudegesang. Der vollstimmige Chor ersetzt hier die Orgel und schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Nach dem Rundgang geht die Messe in der Kirche bis zum Morgengrauen weiter. Seit Neustem nehmen sogar der Präsident und andere Mitglieder der Regierung daran teil. Manche haben Schwierigkeiten, die stundenlange Messe auszuhalten, weil es in orthodoxen Kirchen keine Bänke gibt. Doch die prachtvolle Zeremonie ist sicher jede Anstrengung wert. Der Gottesdienst endet am frühen Morgen mit einem Gang um das Kreuz. Vielstimmig schlagen die Glocken, der Gesang schwellt an, und schließlich fordern die Priester alle auf, sich zu umarmen, zu küssen und sich gegenseitig zu verzeihen. Diser Osterbrauch heißt Christowanije (russ.: Христование). Fröhlich folgen die Menschen dem Aufruf, und überall hört man den traditionellen Ostergruß: "Christus ist auferstanden!" (russ.: Христос воскрес!)- und die Antwort darauf: "Er ist wahrhaft auferstanden!" (russ.: Воистину воскрес!)

Russische Ostern ganz traditionell

Bereits in der Karwoche setzt in den russischen Haushalten rege Betriebsamkeit ein. Nach dem großen Frühjahrsputz fängt man an, Osterbrote zu backen. Am "sauberen Donnerstag" werden Eier gefärbt und am Samstag frische Osterkuchen zubereitet. Die Schwierigkeit dabei besteht darin, dass Samstag der strengste Tag des Großen Fastens ist, an dem man so gut wie gar nichts essen darf. Sogar das Abschmecken der Gerichte ist nicht erlaubt. Aber die Vorfreude ist groß, und die Köchinnen und Köcher geben sich besondere Mühe. Traditionell nimmt man Osterbrote und Eier mit in die Kirche, um sie zu weihen. Nach der Ostermesse wird das Speiseverbot aufgehoben, und endlich stehen die entbehrten Köstlichkeiten wieder auf dem Tisch.

Der Ostersonntag beginnt mit einem Familienfrühstück. Die Festtafel wird mit frischen Blumen, Weidensträußen und natürlich mit farbigen Eiern dekoriert. Außer dem Osterbrot und dem Osterkuchen, die es nur zu Ostern gibt, werden all die Speisen serviert, die während der vierzig Tage des Großen Fastens verboten waren: Wurst, Schinken, Käse, Milch, etc. Aber als erstes kommt natürlich das aromatische Osterbrot auf den Teller!

Nach dem alten Glauben soll man das Festessen mit seinen Nächsten teilen. Deswegen gehen sich alle nach dem Frühstück gegenseitig besuchen, tauschen Eier und kleine Osterbrote. Und wenn das erste Ei, das man kriegt, vom ganzen Herzen geschenkt wurde, wird es nie schlecht werden, sagt eine Volksweisheit.

An Ostern ist es üblich, zu den Friedhöfen zu gehen und den verstorbenen Angehörigen Eier, ein wenig Brot und Bier zu bringen. So lässt man sie auch an den Feierlichkeiten teilhaben.

Erstaunlicherweise herrscht am Ostersonntag fast immer sehr schönes sonniges Wetter. "Die Sonne spielt", sagen die Russen. Nach einem alten Brauch soll man an dem Tag Vögel aus den Käfigen freilassen.

Früher durften am Ostersonntag Männer und Burschen zu jeder Zeit Glocken läuten. So war die Luft erfüllt vom Klang der vielen Glocken, die für eine fröhliche und festliche Stimmung sorgten. Unvorstellbar war Ostern auch ohne Schaukeln. Jung und Alt hatte Spaß dabei, vor allem aber Kinder und Mädels. Junge Kerle spielten Harmonika und schauten zu. Es wurde geflirtet, was das Zeug hält. Immer noch sehr populär ist das Rollen der bemalten Eier auf der Erde. Das Ziel dieses Spiels ist es, die Eier der Gegner zu zerbrechen, ohne die eigenen dabei zu beschädigen. Erfahrene Spieler achten auf die Form der Eier und basteln sich sogar spezielle Rinnen zum Rollen. Die Bauern glauben, dass rollende Eier den Boden besonders fruchtbar machen.

Bunte Ostereier

Ein Faberges Ei aus der Kollektion des russischen Milliardärs Victor Wechselberg, ausgestellt in Irkutsk 2006.

Gefärbte Eier sind ein internationales Ostersymbol. In Russland schreibt man in Kirchen geweihten Eiern magische Fähigkeiten zu. Sie sollen die Ernte gegen den Hagel, das Vieh gegen Krankheiten und das Haus gegen böse Geister schützen. Ein im Fundament eingelegtes Osterei soll den Hausbesitzern Glück und Wohlstand bringen. Übers Gesicht gerollte Ostereier sollen sogar junges Aussehen verleihen. Kein Wunder also, dass man früher geweihte und gefärbte Ostereier als Glücksbringer ein ganzes Jahr lang behielt. Irgendwann kam man dann auf die Idee, Eier aus Holz zu schnitzen und zu bemalen. Sehr wertvoll sind Porzellan, sowie goldene, silberne und mit Edelsteinen verzierte Eier. Weltbekannt und sehr geschätzt sind kunstvoll gearbeitete Eier des russischen Hofjuwelieren Peter Carl Fabergés.

Traditionell werden Eier vorwiegend rot gefärbt. Natürlich kann man auch andere Farben nehmen. Oft werden Eier einfach in Zwiebelschale gekocht oder in bunte Stoffreste gewickelt. Spinat macht Eier grün und rote Bete färbt sie rot. Das Abreiben mit einem Öllappen bringt die Eier wunderbar zum Glänzen!

Russischer Ostertisch und Tipps zum Färben und Kochen von Eiern

 
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