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4. November: Tag der Einheit des Volkes in Russland

Russisch: День народного единства

Am 4. November wird in der Russischen Föderation der Tag der Einheit des Volkes gefeiert. Obwohl dieser Nationalfeiertag seit 2005 existiert, wissen nur wenige Russen wie dieser Feiertag genau heißt und welches Ereignis gefeiert wird. Viele bezeichnen ihn als den Tag der Einheit (russisch: День единения) oder verwechseln ihn gar mit dem Tag Russlands am 12. Juni. Weil der Anlass fehlt, wird im privatem Umfeld auch nichts gefeiert. Die meisten genießen einfach einen arbeitsfreien Tag und verbringen die Zeit Zuhause.

Es ist aber auch kein Wunder, dass dieser relativ neue Nationalfeiertag den Menschen ist Russland so gleichgültig ist. 2005 ersetzte der Tag der Einheit des Volkes den für die Kommunisten wichtigsten Nationalfeiertag - den Tag der Oktoberrevolution (später "Tag der Versöhnung und Eintracht") am 7. November.
Die Staatsduma beschloss, den Feiertag auf ein neues Datum zu verlegen, vor allem um die negative Assoziation mit der Oktoberrevolution 1917 loszuwerden.

Gefeiert wird am 4. November die Befreiung Moskaus von der polnischen Besatzung im Jahr 1612. Dies beendete die Zeit der Wirren in Russland. Historisch ist dieses Ereignis deswegen einzigartig, weil das russische Volk zum ersten Mal nicht für einen Zaren in den Krieg ging, sondern mit vereinigten Kräften für seine Freiheit kämpfte.
4. November ist einer der 16 Tage des Militärruhms der Russischen Föderation.

Ausflug in die russische Geschichte

Minin und Poscharskij-Denkmal auf dem Roten Platz in Moskau
Minin und Poscharskij-Denkmal auf dem Roten Platz in Moskau

Als die Zeit der Wirren (1598 -1613) wird der Zeitraum zwischen zwei russischen Zarendynastien – den Rjuriken und den Romanows – bezeichnet.

Zar Iwan IV. der Schreckliche (1530-1584) war der letzte echte Herrscher der Rjurik-Dynastie. Sein geistig behinderter Sohn Fjodor I. saß zwar noch bis 1598 auf dem russischen Thron, doch die Regierungsgeschäfte überließ er seinem Schwager Boris Godunow. Nach dem Tod Fjodor I. ließ sich Godunow zum Zaren krönen. Allerdings waren nicht alle russischen Adeligen (Bojaren) mit dem neuen Herrscher einverstanden. Man warf ihm auch vor, den jüngsten Sohn Iwan des IV. – Dmitrij – ermordet zu haben. (Dmitrij wurde unter mysteriösen Umständen erstochen). Als Boris Godunow 1605 plötzlich starb, wurde sein Sohn nicht als Thronfolger anerkannt. Machtkämpfe am Zarenhof führten Russland in eine schwere wirtschaftliche und politische Krise. Polen nutzte die Situation aus und half dem sogenannten Pseudo-Dmitrij I. - dem angeblich überlebenden Sohn des Zaren Iwan des Schrecklichen - den russischen Thron 1605 zu erobern. Pseudo-Dmitrij I. wurde 1606 ermordet wie später auch seine Nachahmer Pseudo-Dmitrijs II. und III. Die Krise in Russland verschärfte sich immer mehr.
1610 besetzte der polnische König Sigismund III. Moskau, die russische Hauptstadt.

1612 organisierte der Kaufmann Kusma Minin und der Fürst Dmitirij Poscharskij ein Volksaufstand und verjagten die polnischen Eroberer. Seitdem gelten Minin und Poscharskij als russische Volkshelden. Wie hoch sie angesehen werden, zeigt das Minin- und Poscharskij-Denkmal, das seit 1818 auf dem Roten Platz in Moskau direkt vor der Basilius-Kathedrale steht.

Der Sieg über Polen am 4. November 1612 markiert also eine wichtige Wende in der russischen Geschichte. Im Januar 1613 kamen Vertreter verschiedener Stände und Regionen von Russland nach Moskau, um den neuen Zaren zu bestimmen. Diese Versammlung wird Semski Sobor genannt. Semski Sobor wählte Michail Romanow zum neuen russischen Zaren.

4. November im heutigen Russland

Umfragen zufolge haben die meisten Russen den neuen Feiertag noch nicht akzeptiert. Der Grund der Ablehnung wird auf die langjährige Tradition zurückgeführt - seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis 1991 war der 7. November der wichtigste Nationalfeiertag in Russland. Das ganze Land ging zur Parade und feierte den Sieg der Kommunisten in der Oktoberrevolution 1917. 1991 wurde der Tag der Revolution in den Tag der Eintracht und Versöhnung umbenannt. Anfang des 21. Jahrhunderts interessierten sich die Menschen in Russland nicht mehr für den politischen Hintergrund des Tages der Oktoberrevolution. Für knapp die Hälfte der Russen war das "ein ganz normaler Feiertag", und die meisten nahmen auch nicht mehr an üblichen Demonstrationen und Festlichkeiten teil. Am 7. November 2004 wurde der Tag der Eintracht und Versöhnung zum letzten Mal gefeiert.

Bis heute betrachten nur sehr wenige Menschen in Russland den Tag der Einheit des Volkes am 4. November als einen wichtigen Feiertag. Der alte Tag der Revolution am 7. November wird dagegen aus Gewohnheit und Nostalgie von vielen immer noch gefeiert.

Die beliebtesten Feiertage in Russland sind:

Neujahr / Silvester am 31. Dezember (77%)
Der Siegestag am 9. Mai (38%)
Russische Ostern (34%)
Weltfrauentag am 8. März (31%)
Russische Weihnachten am 7. Januar (31%)
(Quelle: die im Oktober 2010 durchgeführte Umfrage des Russischen Zentrums für Meinungsforschung (WZIOM)
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