9. Mai - Siegestag im Zweiten Weltkrieg
Tag des Sieges über den Faschismus 1945 (russisch: День Победы)
Am 9. Mai feiert Russland den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. So wird in Russland der Zweite Weltkrieg 1941-1945 genannt. Seit 1965 ist der Siegestag ein wichtiger Nationalfeiertag der UdSSR. Der Siegestag wird nicht nur in Russland, sondern auch in anderen ehemaligen UdSSR-Staaten groß gefeiert.
"Keiner ist vergessen, nichts ist vergessen": Ein Feiertag "mit Tränen in den Augen". Diese Strophen aus beliebten russischen Liedern der Kriegszeit sind heute noch aktuell.
Der 9. Mai wurde zum Siegestag erklärt, weil in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 der sowjetische Marschall Schukow die bedingungslose Kapitulation aller Wehrmachtsteile angenommen hat.
9. Mai ist einer der 16 Tage des Militärruhms der Russischen Föderation.
Ein Großteil der russischen Bevölkerung ist bis heute fest davon überzeugt, dass die befreiten Länder der Roten Armee für immer dankbar sein müssten. Und das darf man den Russen nicht übel nehmen. Ca. 27 Millionen Menschen der ehemaligen UdSSR ließen ihr Leben im Zweiten Weltkrieg. Also hat fast jede russische Familie einen oder mehrere liebe Menschen verloren. Somit wurde der Siegestag für die Russen zu einem privaten Gedenktag und ist es trotz Generationenwechsel bis heute geblieben. Der Große Vaterländische Krieg dauerte 1.418 Tage.
Der Sieg im Großen Vaterländischen Krieg: in Russland ein wahres Volksfest
Anfang Mai kommen überall in Russland festlich gekleidete Kriegsveteranen zusammen und gedenken der gefallenen Kameraden. Oft fängt so ein Treffen an einem Grab oder Denkmal des Unbekannten Soldaten oder an einem "Ewigen Feuer" an. Danach wird die Gedenkfeier entweder bei einem offiziellen Empfang fortgesetzt. Oder die Veteranen setzen sich privat an einer Festtafel zusammen. Zum Gedenken an die Toten trinkt man in Russland Wodka, ohne anzustoßen.
Zum Siegestag schenkt man Kriegsveteranen Nelken:
Blumen nach Russland schicken
Für 91% der Russen ist der Siegestag ein wahres Volksfest, und nicht nur ein Feiertag für Kriegsveteranen. Diese Meinung teilt auch die russische Jugend (87% der 18 bis 24-jährigen).
85% feiern am 9. Mai den Siegestag.
58% der Russen bezeichnen den Sieg im Zweiten Weltkrieg als den wichtigsten Sieg in der Geschichte Russlands.
Die meisten Russen (83%) interessieren sich für Siegesparaden. 82% halten Siegesparaden für notwendig. 73% der Russen verfolgen die Paraden im Fernsehen. Jeder zehnter nimmt persönlich an einer Parade teil.
Der Kampf um Stalingrad ist für zwei Drittel der Befragten (68%) der Wendepunkt im Kriegsverlauf.
(Dies sind die Ergebnisse von diversen vom Russisches Zentrum für Meinungsforschung (WZIOM) durchgeführten Umfragen anlässlich des 65. Siegestages 2010.)
Siegesparaden in Russland 2011
Jedes Jahr finden am Siegestag in vielen Städten Russlands Militärparaden statt. Im Jahr 2011 werden die Paraden in 23 Städten durchgeführt, darunter Moskau, St. Petersburg, Kaliningrad, Jekaterinburg, Murmansk, Wolgograd, Wladiwostok, etc. Die Vorbereitungen starten bereits einige Wochen vor dem Ereignis. Je nach Stadt wird die Parade 2 bis 3 Mal unter realen Bedingungen geprobt. Wer am 9. Mai nicht dabei sein kann, hat somit die Gelegenheit, sich die Parade auch vorher schon anzuschauen.
In Moskau üben die Teilnehmer zuerst auf dem Chodynka Feld (russisch: Ходынское Поле) im Nordwesten der Stadt. Hier kann man dem Militärorchester beim Üben zuhören und bis zur Parade geparkte Militärfahrzeuge sehen. Jedes Jahr wird die Militärparade in Moskau mehrmals geprobt. Die ersten zwei Proben werden nachts durchgeführt. Die Generalprobe der Siegesparade findet 2-3 Tage vorher tagsüber statt. Dafür werden dutzende Straßen im Moskauer Zentrum gesperrt.
Die große Parade auf dem Roten Platz in Moskau ist traditionell das wichtigste Ereignis am Siegestag. Zu Sowjetzeiten marschierten Kriegsveteranen und Militäreinheiten über den Roten Platz und wurden von hochrangigen Staatsmännern Russlands vom Balkon des Lenin Mausoleums empfangen. Damit gedachte man nicht nur den zahlreichen Gefallenen im Zweiten Weltkrieg, sondern demonstrierte der ganzen Welt auch seine militärische Macht und Überlegenheit.
Bei der Siegesparade 2011 werden über den Roten Platz in Moskau ca. 20.000 Soldaten marschieren und 111 moderne Militärfahrzeuge rollen. Um die Moskauer Straßen vor der schweren Militärtechnik zu schützen, bekommen die Ketten der Panzer und anderer Gleiskettenfahrzeuge einen Gummiüberzug. Begleitet wird die Parade vom Militärorchester bestehend aus 1.500 Musikern. Zum ersten Mal werden alle Soldaten Barette tragen, die Teil der neuen Militäruniform sind. Die Generalprobe der Parade auf dem Roten Platz findet am 7. Mai 2011 um 10:00 Uhr statt.
Am 9. Mai startet die Siegesparade auch um 10:00 Uhr und wird ca. eine Stunde dauern. Am Abend wird aus 13 verschiedenen Orten in Moskau das traditionelle Feuerwerk abgefeuert. Das Hauptfeuerwerk findet auf dem Poklonnaja Berg (russisch: Поклонная гора) im Westen von Moskau nahe des Triumphbogens statt.
In St. Petersburg werden die Siegesparaden auf dem Schlossplatz vor der Eremitage durchgeführt. Seit 2008 nimmt auch wieder die Militärtechnik an der Parade in St. Petersburg teil. Anders als in Moskau, kommen aber hier nur bereifte Fahrzeuge zum Einsatz. Zum letzten Mal rollten Panzer im Jahr 1990 über den Schlossplatz in St. Petersburg. Die Siegesparade in St. Petersburg ist generell kleiner als in Moskau. Im Jahr 2011 nehmen 4.000 Soldaten daran teil.
2010 feierte Russland den 65. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg
Der 65. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg hatte für Russland eine ganz besondere Bedeutung. Bei den Aktivitäten rund um den 65. Siegestag ging es nicht nur darum, dieses nicht nur für Russland wichtige Ereignis gebührend zu feiern. Die wichtigsten Botschaften an die Welt fasste der russische Präsident Dmitrij Medwedew in verschiedenen Interviews und Reden anlässlich des Siegestages zusammen:
- Der Sieg im Zweiten Weltkrieg war ein gemeinsamer Verdienst von vielen Nationen.
- Es darf nicht zu einer Wiederholung des Konflikts kommen. Die Politiker müssen aus der Geschichte lernen und alles dafür tun, um die Probleme diplomatisch zu lösen. Doch angesichts der aktuellen Weltlage bleibt eine starke und gut ausgebildete Armee "eine bedingungslose Priorität".
- Russland ist eine starke Nation mit Zug zum Sieg. Man darf die Situation im heutigen Russland nicht schön reden: das Leben ist schwer und es gibt viele Probleme. Doch die Botschaft des Präsidenten an das russische Volk lautet: "Wir sind eine starke Nation, weil wir wissen, wie man siegen kann. Das haben wir in der Vergangenheit oft bewiesen und ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft so bleibt".
Zur Feier des 65. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg wurden überall in Russland verschiedene Aktionen organisiert. Das Ziel von sämtlichen Maßnahmen war es, Kriegsveteranen zu ehren und allen Bürgern - vor allem der russischen Jugend - diese für die russische Geschichte wichtigen Ereignisse näher zu bringen.
Siegesparaden zum 65. Jahrestag des Sieges: eine gemeinsame Feier
Am 9. Mai 2010 wurden Siegesparaden in ganz Russland erstmals zu selben Zeit durchgeführt und starteten um 10:00 Uhr Moskauer Zeit unabhängig von der Zeitzone. Insgesamt fanden Siegesparaden in 72 Städten Russlands statt.
Die Siegesparade zum 65. Jahrestag des Sieges auf dem Roten Platz in Moskau wurde größer denn je und sollte zu einem historischen Ereignis werden. Interessante Daten und Fakten:
11.335 Soldaten marschierten über den 220 Meter langen Roten Platz mit einer Geschwindigkeit von ca. 116 Schritten pro Minute.
Die Militärtechnik ließ 161 Militärfahrzeuge über den Roten Platz rollen.
Die Luftwaffe war mit 127 Flugzeugen und Hubschauern vertreten (Fluggeschwindigkeit ca. 550 km/h).
Ablauf der Siegesparade am 9. Mai 2010:
Gesamtdauer: ca. 1 Stunde 12 Minuten
10:00 Beginn und Eröffnung durch den Verteidigungsminister
10:14 - 10:21 Feierliche Rede des Präsidenten der Russischen Föderation Dmitrij Medwedew
10:21 - 10:22 Hymne der Russischen Föderation
10:22 - 10:44 Aufmarsch der Infanteriesoldaten
10:44 - 10:56 Vorführung der Militärtechnik
10:57 - 11:05 Flugshow
11:05 - 11:09 Militärorchester
11:09 - 11:12 Zusammentreffen des Präsident mit Komandanten der Infanterie
Die Parade auf dem Roten Platz bestand aus zwei Hauptteilen: historisch und modern.
Erstmals in der Geschichte nahmen Militäreinheiten der Alliierten Siegesmächte an der Parade teil, darunter Großbritannien, Frankreich, USA, Polen sowie die Staaten der ehemaligen UdSSR (außer Georgien).
Bilder von der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau am 9. Mai 2010
Zum Vergrößern Bilder anklicken.
(Fotoquelle: Pressedienst des Präsidenten Russlands)
Ablauf der Feier des 65. Siegestag im Großen Vaterländischen Krieg in Moskau am 9. Mai 2010:
10:00 Uhr Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau
11:40 Uhr Der Präsident von Russland und ausländische Ehrengäste legen Blumen am Grabmal des Unbekannten Soldaten im Alexandergarten an der Kreml-Mauer nieder
12:30 Gala-Empfang des Präsidenten der Russischen Föderation Dmitrij Medwedew im Großen Kremlpalast
22:00 Festliches Feuerwerk über dem Kreml, Sofiyskaya Naberejnaya. Als krönender Abschluss des Feiertages, wurden auch in den 42 Städten Russlands 30 Artillerie-Salven um 22:00 Uhr Ortszeit abgefeuert.
22:30 Festliches Konzert im Olympischen Komplex "Luzhniki"
Nationale Gedenkstätte für Militärruhm
Das Ewige Feuer am Grab des unbekannten Soldaten an der Kreml-Mauer
Seit 1967 brennt das Ewige Feuer am Grab des unbekannten Soldaten im Alexander-Garten im Moskau. Das Denkmal befindet sich am Nordeingang des Kremls. Stellvertretend für alle im Zweiten Weltkrieg gefallenen Russen liegt hier ein Soldat begraben. Die Inschrift auf dem Grabmal lautet "Dein Name ist unbekannt, doch Deine Taten sind unsterblich". In Gedenken an die Opfer des Krieges legen hier russische Präsidenten und Staatsgäste Russlands bei besonderen Anlässen Blumenkränze nieder.
Anlässlich des großen Siegesjubiläums 2010 wurde der Komplex zum ersten Mal komplett restauriert. Dafür verlegte man das Ewige Feuer für mehrere Monate in den Siegespark auf dem Poklonnaja Berg im Westen von Moskau. Am 23. Februar 2010, dem Tag des Vaterlandsverteidigers, wurde das Ewige Feuer im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an die Kreml-Mauer zurück gebracht. Als erster unter den russischen Präsidenten hatte Dmitrij Medwedew die Ehre, das Ewige Feuer anzuzünden.
Die Arbeiten am Komplex waren noch nicht komplett abgeschlossen. Im Zuge der Renovierung wurde hier ein neuer Gedenkstein für die russischen Städte mit dem Rang "Stadt mit Militärruhm" aufgestellt. Das Denkmal unter dem Namen "Nationale Gedenkstätte für Militärruhm" wurde am 8. Mai 2010 feierlich eröffnet.
Die beliebtesten Lieder der Kriegszeit - "Sieg Hurra!"
Ob traurig, aufmunternd oder mit Stolz erfüllt - viele schöne Lieder begleiteten russische Soldaten durch den Krieg und halfen Männern und Frauen hinter der Front, die schwere Zeit zu überstehen. Die russlandweite Aktion "Sieg Hurra!" (russisch: "Ура Победе") sollte dazu beitragen, dass diese Lieder nicht vergessen werden, und war vor allem an die Jugend adressiert. Die bekanntesten Kriegslieder konnten als Klingelton auf das Handy heruntergeladen werden. Außerdem wurde über eine Abstimmung im Internet die beliebteste Titel-Melodie gewählt. Das Gewinner-Lied "Der Tag des Sieges" (russisch: День Победы) wurde am 9. Mai 2010 auf der Hauptbühne zur Feier zum 65. Siegestag gespielt. Knapp 17.000.000 Menschen machten bei der Aktion mit.
9. Mai 2005: 60. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg
Im Jahr 2005, am 60. Jahrestag des Kriegsendes, hatten die Feierlichkeiten eine besondere Bedeutung. Zur großen Jubiläumsparade in Moskau kamen Politiker aus 53 Staaten, darunter Bundeskanzler Gerhard Schröder, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, US-Präsident Bush und Japans Premierminister Junichiro Koizumi. Damit wollte Russland an seine Bedeutung bei der Bekämpfung Nazi-Deutschlands erinnern und gleichzeitig auch auf seine wichtige Rolle in der modernen Welt hinweisen.
Siegespark in Moskau
Am 7. Mai 2005 eröffnete Präsident Putin das neue Kriegsdenkmal im Siegespark in Moskau, das zu Ehren der Anti-Hitler-Koalition errichtet wurde. Den 20 Meter hohen Obelisken aus weißem Marmor schmückt das Emblem der UNO. An seinem Fuß stehen vier Meter hohe Soldaten der vier Alliiertennationen: UdSSR, USA, Großbritannien und Frankreich. "Unser Volk hat nicht nur das Vaterland verteidigt, sondern auch elf Europäische Staaten befreit", betonte Putin in seiner Eröffnungsrede.
Fontäne "Die Musik des Ruhmes"
Die feierliche Eröffnung der Fontäne "Die Musik des Ruhmes" (russisch: фонтан "Музыка Славы") fand im April 2008 statt. Die Musik-Fontäne befindet sich im Moskauer Stadtteil Kuzminki (russisch: Кузьминки). Gebaut wurde der Komplex anlässlich des 60. Jahrestag des Sieges. Die Musik-Fontäne besteht aus einem achteckigen Becken, einer "Gedenke-Pyramide" (9 Meter hoch) und sieben Fanfaren (je 21 Meter hoch).
Ende April werden die Moskauer Fontäne im Rahmen einer feierlichen Zeremonie eröffnet. Die Saison der Fontaine dauert in Moskau normalerweise bis zum 1. Oktober.



































