In Russland haben Weihnachen und Silvester (Neujahr) Plätze getauscht. Es hängt damit zusammen, das in Russland, wie auch in anderen Ländern orthodoxen Glaubens, der Julianische Kalender für Zeitrechnung verwendet wird. Danach fällt Weihnachten auf den 7. Januar und wird also nach Silvester gefeiert.
Silvester in Russland oft zehn Tage lang gefeiert. Die Tage vom 01. bis zum einschließlich 10. Januar 2010 sind in ganz Russland arbeitsfrei.
Im Altrussland fand der Jahreswechsel am 1. September statt. Erst 1700 befiel Peter der Große, das Neujahr in Russland wie im Westeuropa am 1. Januar zu feiern. Erst dann kamen der Weihnachtsmann und der Christbaum nach Russland.
Im Laufe der Jahre hat sich der westliche Weihnachtsmann in Väterchen Frost (russ.: Дед Мороз [Ded Moroz]) verwandelt. Nicht der Weihnachtsmann, sondern Väterchen Frost bringt in Russland die Geschenke, und zwar am 31. Dezember. Er trägt einen langen Mantel mit Pelzkragen, einen breiten Gürtel und eine typisch russische Pelzmütze. Ein dicker Eiszapfen dient ihm als Wander- und Zauberstab. Das russische Väterchen Frost reist aus Sibirien in einer schicken Pferdetroika an in Begleitung eines Jungen, der Neujahr heißt, und seiner hübschen Enkelin Snegurotschka (russ.: Снегурочка [snigúratschka]), die auf Deutsch Schneemädchen oder Schneeflocke genannt wird.
Russische Snegurotschka ist einmalig. Kein anderer Weihnachtsmann der Welt hat so eine Schönheit an seiner Seite. Sie ist kein kleines Mädchen mehr, sondern eine junge Frau und symbolisiert das zum Eis gewordene Wasser. Traditionell trägt sie einen weißen oder hell blauen mit Perlen und silbernen Fäden bestickten Mantel. Den Kopf schmückt ein kleines Krönchen oder eine Mütze mit Pelzrand. Ihr langes blondes Haar ist zu einem festen Zopf geflochten.
Der Weihnachtsbaum wird in Russland oft schon ein paar Tage vor dem Silvester-Abend geschmückt. Für die Neujahres-Feier, die überall in russischen Schulen, Kindergärten und Konzerthallen veranstaltet werden, verkleiden sich Kinder gerne als Schneeflocken, Häschen oder Bärchen. Alle versammeln sich um den Weihnachtsbaum und rufen drei Mal laut nach Väterchen Frost. Er und seine Begleitung kommen schwer mit Geschenken beladen. Die Kinder tanzen um den Weihnachtsbaum, tragen Gedichte vor oder singen, um die Geschenke zu verdienen.
Silvester ist in Russland ein Familienfest
Da Väterchen Frost in Russland so viel unterwegs ist, kommt er erst in der Silvester-Nacht zu den russischen Kindern nach Hause und lässt die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen.
Den Silvester-Abend verbringen viele russische Familien zu Hause mit Freunden und Verwandten an einem reich gedeckten Tisch. Um Mitternacht lässt man in Russland die Korken knallen und begrüßt das neue Jahr mit großem Feuerwerk. Das beeindruckendste Feuerwerk-Spektakel wird an Silvester am
Roten Platz in Moskau veranstaltet.
Nach Mitternacht geht die Silvester-Party in Russland richtig los. Die Jugendlichen gehen oft von Zuhause weg und feiern mit Freunden weiter.
Auch Silvester 2008/2009 verbringen 77% der Menschen in Russland wie gewohnt Zuhause. 13% feiern bei Freunden. Kaum jemand (2%) feiert Silvester in einer Disco, in einem Club oder Restaurant. Nur 2% der Russen feiern Neujahr gar nicht. Dies ergab eine im Dezember 2008 durchgeführte Umfrage des Russischen Instituts für Meinungsforschung (WZIOM). Seit 2003 bleiben die Ergebnisse der Umfrage so gut wie unverändert.
Doch auch in Russland bleiben jüngere Leute (18-24-jährige) seltener Zuhause (50%), feiern öfter bei Freunden (28%) oder gehen aus (5%).
Im Vergleich zu 2007 ist man in Russland sparsamer geworden. 43% der Befragten planen keine Ausgaben für Kinderfeste, Theater, Restaurants oder Reisen (2007 waren es 29%).
Doch ohne einen reich gedeckten Tisch ist Silvester in Russland unvorstellbar. 80% der Russen wollen bis zu 10.000 Rubel (ca. 270,- Euro) für Speisen und Getränke ausgeben. Nur 6% haben keine Ausgaben für die Silvesternacht geplant. Keiner gab an, mehr als 10.000 Rubel ausgeben zu wollen.
Wenn es um Geschenke zum Fest geht, sind die Russen eher großzügig. 74% haben bis zu 10.000 Rubel (ca. 270,- Euro) für Geschenke für Freunde und Familie reserviert (2007 waren es 71%). Nur wenige (1%) wollen mehr ausgeben und 16% werden keine Geschenke kaufen (im Vergleich zu 11% im Jahr 2007). Ansonsten bleibt die Top-Liste der Geschenke in Russland seit Jahren unverändert. Die meistgekauften Geschenke laut WZIOM sind:
2008 | 2007 | ||
1. | Souvenirs | 37% | 38% |
2. | Konfekt, Spirituosen, Delikatessen | 30% | 29% |
3. | Spielzeug | 28% | 29% |
4. | Parfümerie-Artikel, Kosmetik, Modeschmuck | 21% | 22% |
5. | Kleidung und Schuhe | 9% | 9% |
6. | Blumen | 7% | 9% |
7. | Geld | 6% | 7% |
8. | CDs, DVDs, | 5% | 8% |
9. | Juwelierwaren (Schmuck, etc.) | 5% | 6% |
10. | Kleinelektroartikel | 5% | 5% |
11. | Handys/Mobiltelefone | 3% | 4% |
12. | Eintrittskarte für Konzerte, | 2% | 1% |
13. | Foto- oder Videokamera, | 1% | 1% |
Die Geschenkliste von WZIOM stimmt mit den Ergebnissen der "Xmas survey 2008" von Deloitte überein. Seit 2006 ermittelt die Beratungsfirma aus den USA die geplanten Weihnachtsausgaben der Konsumenten in Russland.
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