Väterchen Frost – der Herr des russischen Winters

Väterchen Frost

Väterchen Frost heißt auf Russisch Ded Moroz (Дед Мороз)

Nationalität: ostslawisch
Geburtstag: 18. November
Heimatort und Wohnsitz: Residenz bei der Stadt Welikij Ustjug in Russland

Ein Winter ohne Väterchen Frost ist in Russland unvorstellbar. Der russische Herr des Frosts ist viel mehr als ein Weihnachtsmann und hat weitaus mehr zu tun, als nur Geschenke zu verteilen. Dieser mächtige Zauberer herrscht über den russischen Winter, lässt Flüsse und Seen erfrieren, Schneestürme über das Land fegen und hält Russland Monate lang in seinem eisigen Griff. Wenn er seinen Zepter in den Boden stampft, hört man die Kälte klirren.

Väterchen Frost: Herkunft und Biographie

VOLLER NAME:
Ded Moroz Iwanowitsch
(russisch: Дед Мороз Иванович)
Dabei ist „Moroz“ der Vorname und „Iwanowitsch“ der Vatersname. Der Nachname ist unbekannt.

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Väterchen Frost heißt auf Russisch Ded Moroz (Дед Мороз [det maróz]). „Ded“ bedeutet im Russischen „Großvater, Opa“ und „Moroz“ – „Frost“. Wörtlich übersetzt heißt er also „Opa Frost„. Der gutmütige weißbärtige Greis wird auch liebevoll Deduschka Moroz (Дедушка Мороз [djéduschka maróz]) genannt. „Deduschka“ ist die Verniedlichungsform von „Ded“ und kann als „Opi“ übersetzt werden.
Seinen Vatersnamen „Iwanowitsch“ verdankt er dem russischen Schriftsteller Wladimir Odojewskij. Im Jahr 1840 veröffentliche Odojewskij das Märchen „Moroz Iwanowitsch“, das auf russischen Volksmärchen basiert. Odojewskij gab dem Väterchen Frost nicht nur einen Vatersnamen, sondern verwandelte den launischen und gefürchteten Gott in einen zivilisierten, salonfähigen und stattlichen Mann.
Anmerkung: Russische Namen bestehen aus drei Teilen: Vorname, Vatersname und Nachname.

GEBURTSTAG: Seit 2005 feiert Russland am 18. November den Geburtstag des Väterchen Frost.

In Wirklichkeit weiß keiner, wann er geboren wurde. Oft heißt es, das Geburtsdatum sei von russischen Kindern bestimmt worden. Doch der Tag der Geburt wurde nicht willkürlich gewählt. Auf Basis langjähriger Wetterbeobachtungen weiß man, dass in der Gegend rund um den Heimatort des Väterchen Frost am 18. November der richtige Winter mit starkem Frost und viel Schnee anfängt. Das Alter des Väterchen Frost wird auf mehrere Tausend Jahre geschätzt.

GEBURTS- UND WOHNORT: Seit 1999 gilt die Stadt Welikij Ustjug als Heimat des Väterchen Frost.
Welikij Ustjug (russisch: Великий Устюг) liegt im Norden Russlands, ca. 1.000 Kilometer nordöstlich von Moskau. Die Residenz des Väterchen Frost befindet sich im Wald, 11 km von der Stadt Welikij Ustjug entfernt.
Die Region profitiert von seinem prominenten Einwohner. Mehrere Tausend Menschen arbeiten für Väterchen Frost. Die Arbeitslosigkeit in dieser Region Russlands ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Viele Reisebüros organisieren Touren zur Residenz des Väterchen Frost. Auch auf eigene Faust kann man das frostige Reich besuchen. Spezielle Züge und Buse verbinden Welikij Ustjug mit Moskau und St. Petersburg. Auf dem Weg liegen schöne altrussische Städte wie Jaroslawl, Wologda und Kostroma. Nahe der Stadt Welikij Ustjug gibt es auch einen kleinen Flughafen.

HERKUNFT: Der moderne Väterchen Frost vereint in sich die Eigenschaften verschiedener Götter der Ostslawischen Mythologie. Folgende zwei Götter sind mit Väterchen Frost eng verwandt:

  • Väterchen Frost als Porzellanfigur

    Väterchen Frost als Porzellanfigur

    Der Gott der Winde und Wirbelstürme flog über den Himmel und ließ Regen, Hagel und Schnee auf die Erde fallen. Um den mächtigen Schlechtwetter-Gott zu besänftigen, brachte man ihm Speisen als Gaben und errichtete Häuser, damit er sich ausruhen konnte.

  • Der Gott des Todes war im Winter besonders gefürchtet. Kein Wunder, denn viele Menschen fielen damals dem harten Winter zum Opfer. Der Gott des Todes lebte in einem Haus aus Eis tief unter der Erde. Sein Reich erreichte man über einen Brunnen. Dieser Gott verlangte Menschenopfer. Eine Jungfrau wurde im Winter im tiefen Wald an einen Baum angebunden und verlassen. Wenn sie am nächsten Tag zu Tode erfroren war, glaubte man, der Gott hätte die Opfergabe angenommen und würde den Menschen im kommenden Jahr gut gestimmt sein.

Biographie des Väterchen Frost

Der Gott mit dem Namen Moroz, Moros oder Morozko kam etwas später als seine Vorfahren nach Russland. Er ist immer noch ein böser Geist mit einem eisigem Atem. Man glaubte Eiszapfen seien seine Tränen. Von November bis März waren seine Kräfte so stark, dass sogar die Sonne ihn fürchtete. Der böse Moroz bestrafte alle, die sich über die Kälte beschwerten. Mutigen und fröhlichen Menschen schenkte er Kraft und Wärme, was an den roten Bäckchen gut erkennbar war. Zum Glück besserte sich im Laufe der Zeit der Charakter des Herrn des Frosts, denn die Menschen haben gelernt, ihre Häuser zu beheizen und dem Winter zu trotzen. Am Anfang verlangte Moroz schöne Jungfrauen als Opfer. Später gab er sich mit reichhaltigem Essen und einem Glas Wodka zufrieden. Jetzt muss ein Kind nur ein Gedicht vortragen oder ein Lied singen, um ein Geschenk zu bekommen. Selbst Kinder, die nicht besonders brav waren, fürchten sich nicht mehr vor Väterchen Frost. Früher ließ er sie vor Kälte erstarren, packte sie in den Sack und brachte sie in den dunklen Wald, wo hungrige Wölfe auf sie warteten.
1700 befahl Peter der Große, das Neujahr in Russland wie in Westeuropa am 1. Januar zu feiern. Seitdem wird Väterchen Frost mit den Feierlichkeiten rund um das Neujahr in Verbindung gebracht. Allerdings dauerte es lange, bis der gefürchtete Herr des Forstes sich als Neujahres-Symbol etabliert hat. Erst im 20. Jahrhundert ließen ihn die Menschen ihre Häuser betreten.
Während der Sowjet-Zeit wurde das Väterchen Frost als „Kapitalist“ und Symbol des „abscheulichen Festes des Bürgertums“ erstmal in Verbannung geschickt. Am 1. Januar 1937 feierte er seine Rückkehr und durfte die Kinder am großen Neujahrsfest im Kreml begrüßen. Seitdem sind die Feierlichkeiten rund um Silvester ohne Väterchen Frost in Russland unvorstellbar.

Väterchen Frost in Russland:
Aussehen und Erkennungsmerkmale

Väterchen Frost ist ein großer, stattlicher Mann mit langem weißem Vollbart (traditionell bodenlang).
VÄTERCHEN FROST KOSTÜM:

  • Bodenlanger roter Mantel, oft mit silbrigen Stickereien und weißem Pelzkragen. (Ursprünglich war der Mantel blau und symbolisierte Schnee und Kälte. Manchmal trägt Väterchen Frost auch heute einen himmelblauen Mantel mit silbrigen Stickereien.)
  • Rote Mütze mit weißem Pelzrand (kein Spitzhut mit Bommel!)
  • Weißer Gürtel
  • Fäustlinge (traditionell mit drei Fingern)
  • Walenki – warme russische Filzstiefel.

AUSSTATTUNG:

  • langer Wander- und Zauberstab (Zepter) aus Kristall mit gewundener Spitze
  • ein Sack

TRANSPORTMITTEL:
Normalerweise ist Väterchen Frost zu Fuss unterwegs. Große Distanzen legt er in einem Schlitten zurück, der von drei Pferden gezogen wird. Auf Russisch heißt dieses Pferdegespann „Troika“.

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